CIO 025 – Produktivität erhöhen und Zeit für Strategie & Innovation schaffen – Interview mit Ivan Blatter

Ivan Blatter

Ivan Blatter

Hallo und herzlich willkommen zur Folge 25 des CIO Podcasts. Heute geht es darum die eigene Produktivität zu erhöhen und Zeit für Strategie und Innovation zu schaffen. Dazu spreche ich mit Ivan Blatter. Ivan Blatter lebt nach dem Motto „Einfach produktiv“. So hilft er auch seinen Kunden.

Folgende Aspekte werden in der Podcast-Folge besprochen:

  • Die größten „Produktivitätskiller“ bei Führungskräften [00:02:00]
  • Helfen Tools und To-Do Listen bei der Produktivitätssteigerung? [00:04:40]
  • Potentiale richtig nutzen durch Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten [00:08:50]
  • Freiraum für strategische Fragestellungen und Innovation schaffen [00:11:15]
  • Fokus für IT-Manager und Handhabung von „Notfällen“ im Betrieb der IT [00:16:00]
  • Einfluss auf die Produktivität der Mitarbeiter [00:17:45]
  • Ein Tipp an CIOs, IT-Manager und IT-Führungskräfte [00:22:35]

Ivan Blatter hat Soziologie mit volkswirtschaftlichen und juristischen Nebenfächern studiert und mit dem Lizenziat Philosophie, was heute einem Master of Art entspricht, abgeschlossen und damit einen recht breiten Hintergrund. Nach seinem Studium hat er vor allem als Projektleiter an verschiedenen Stellen im öffentlich Dienst und in der Privatwirtschaft gearbeitet.

Schon während des Studiums hat er sich für effektives und effizientes Arbeit interessiert und immer geschaut, wie er sich besser organisieren kann. Später im Arbeitsleben hat ihn dieses Interesse immer noch begleitet. So hat er sich zu diesem Thema Zeitmanagement und Produktivität selbstständig gemacht und ist seither als Trainer und Coach in diesem Bereich unterwegs.

Er lebt und arbeitet in Basel, in der Schweiz, also im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Schweiz. Und sein Arbeitsgebiet umfasst Deutschland, die Schweiz und Österreich. Und dadurch, dass er hauptsächlich online unterwegs ist und Online-Seminare anbietet, gibt es auch da eigentlich keine örtliche Distanz mehr.

Und Ivan Blatter geht’s darum, Zeitmanagement nicht mit vorgefertigten Lösungen zu sehen, sondern immer zu schauen, was ist wirklich die passende Lösung für den einzelnen Menschen und dann diesen ganz gezielt zu helfen. Und dabei hat er sehr unterschiedliche Kunden aus diversen Branchen und auch ganz unterschiedliche Menschen, die zu ihm kommen. Sei es der Priester, die Ernährungsberaterin, der Anwalt, die Ärztin oder eben vielleicht auch der IT-Manger.

Freuen Sie sich mit mir auf das heutige Gespräch zum Thema: Produktivität, Zeitmanagement und wie man sich freie Zeiten für Strategie und Innovationen schafft. Viel Spaß! Wir freuen uns auf Ihr Feedback! Diskutieren Sie mit.

Transkript des Interviews

Petra Koch: Herr Blatter, Sie arbeiten mit Führungskräften und helfen Ihnen dabei, ihre Produktivität zu erhöhen und ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Was sind die größten „Produktivitäts-Killer“ aus Ihrer Sicht und Erfahrung heraus? #00:02:50-8#

Ivan Blatter: Ja da gibt es viele, aber wenn ich so die größten Produktivitäts-Killer herausnehmen müsste, dann würde ich mal sagen: Einer der größten ist sicher, wenn man die Fäden nicht in die eigene Hand nimmt. Ich glaube jeder und jede von uns hat mehr Spielraum als wir eigentlich glauben und äh dann gilt es halt diesen Spielraum zu erkennen und dann auch tatsächlich zu nutzen. Viele schaffen das nicht, viele schaffen es auch nicht, Nein zu sagen. Und ich glaube, das ist eine Schlüsselkompetenz gerade für Führungskräfte. Also das ist sicher einer der größten Produktivitäts-Killer.

Ein anderer sind die Unterbrechungen. Wer kennt das nicht? Anrufe, E-Mail, Chat-Nachrichten, SMS und weiß der Geier was. Wir werden ständig unterbrochen, wenn wir uns nicht aktiv darum bemühen diese Unterbrechungen zu minimieren oder komplett auszuschalten. Das ist sicher ein zweiter sehr großer Produktivitäts-Killer. Und der dritte, besonders bei Führungskräften, ist die Problematik mit dem Delegieren. Viele Führungskräfte sind ja oder waren ganz hervorragende Fachmitarbeiter, wurden deshalb auch befördert und sind plötzlich Führungskraft und jetzt tun sie immer noch dasselbe wie vorher. Sie erledigen die Dinge selber.

Aber als Führungskraft ist man in einer ganz anderen Rolle. Man kann nicht mehr so viel direkt selber tun, sondern muss halt die Arbeit auch auf seine Mitarbeiter verteilen und diese Delegation, das ist eine Kunst, die man zuerst mal lernen muss. Vor allem im Kopf, die man im Kopf zuerst mal lernen muss. Ich glaube, das sind so die 3 größten. Also die Fäden nicht in die eigene Hand nehmen, Unterbrechungen und zu wenig Delegieren. #00:04:25-8#

Petra Koch: Das heißt, also sich selber da auch erstmal Gedanken da drüber zu machen, was man erstmal bei sich ändern kann, auch an der Einstellung ändern kann und das wäre so der erste Schritt dann in die Produktivität sozusagen. #00:04:38-5#

Ivan Blatter: In jedem Fall, Zeitmanagement beginnt im Kopf und da kann man schon sehr, sehr viel machen. #00:04:44-0#

Petra Koch: Das passt super gut. Kommen wir eigentlich direkt zur nächsten Frage. Für viele Menschen ist Zeitmanagement und Produktivitätssteigerung immer gleich Todo-Listen erstellen oder irgendwie bestimmte Tools zu nutzen, die einem das Leben erleichtern. Wie sehen Sie das? Hilft das sehr viel oder was gibt’s da für Tools oder Möglichkeiten, die gut sind und hilft das dann im Endeffekt auch bei der Optimierung der Zeit und der Produktivität? #00:05:10-2#

Ivan Blatter: Ja und nein. (lachen beide) Also Tools helfen, keine Frage. Aber Tools sind, was sie sind. Eben Tools, Hilfsmittel. Nehmen wir ein anderes Beispiel.

Nehmen wir mal an, ich nehme hier einen Hammer. Mit diesem Hammer kann ich hier einen Nagel in die Wand einschlagen und ein schönes Bild aufhängen. Ich kann mit demselben Hammer aber auch hier bei mir eine Scheibe einschlagen, wenn ich will. Der Hammer, das Tool, das Instrument, kann dann nichts dafür, sondern mein Umgang mit dem Tool entscheidet, ob der Hammer zu etwas Konstruktivem, Positivem wird oder zu etwas Negativem, Destruktivem. Und so ist es bei allen Tools.

Tools können natürlich helfen, aber, wenn Sie den Umgang damit nicht gewöhnt sind, dann hilft alles nichts. Ich gehe sogar noch weiter. Wenn Sie auf der Ebene der Tools und so sehr üblichen Tipps und Tricks ansetzen, dann machen Sie nur eine Symptombekämpfung, aber die Ursachen sind meistens ganz woanders, nämlich irgendwo in Ihrem Kopf. Natürlich kann die Symptombekämpfung alleine schon helfen, das ist keine Frage. Aber das löst das eigentliche Problem nicht.

Auch hier wieder eine Analogie aus dem Alltag. Wenn Sie Kopfschmerzen haben, dann nehmen Sie eine Tablette und gut ist. Aber, wenn Sie ständig oder regelmäßig Kopfschmerzen haben, dann gehen Sie doch auch zum Arzt und klären die Ursache dieser Kopfschmerzen und dann gehen Sie direkt zu den Ursachen. Und genauso ist es hier. Tools und diese Tipps und Tricks, die helfen, sind aber eine reine Symptombekämpfung. Wenn das genügt, kein Problem, dann ist alles gut, dann weiter so. Aber in der Regel liegt die Ursache eines schlechten Zeitmanagements oder von einer geringen Produktivität viel tiefer, nämlich in einem selbst. #00:06:47-9#

Petra Koch: Wie erkennt man das dann? Ich sage mal beim Zeitmanagement klar, kann man zu Ihnen als Zeitmanagement-Trainer gehen. Und was machen Sie dann gemeinsam mit den Kunden, um diese Ursachen zu finden? #00:06:59-4#

Ivan Blatter: Es geht sehr viel um Glaubenssätze, um Einstellungen, wie man eben mit seiner Zeit umgeht oder halt eben nicht gut umgeht. Wir haben vorhin kurz über Delegation gesprochen. Das ist so ein typisches Beispiel. Wie man delegiert, ist ja überhaupt kein Problem. Also wie man richtig delegiert, dass der Mitarbeiter weiß bis wann er was genau zu tun hat und so. Das kann man sehr schnell lernen. Das ist so auf der Ebene von Tools und so Tipps und Tricks.

Aber die Fähigkeit zu delegieren, die beginnt ja im Kopf. Das hat etwas mit loslassen zu tun oder dem Mitarbeiter vertrauen oder den Mitarbeiter zuerst mal so weit bringen, dass er die Aufgabe überhaupt erledigen kann. Und so weiter und so fort. Und genauso ist es im Zeitmanagement. Also ich versuche durch Fragen herauszufinden, wo denn eigentlich der Hund begraben liegt? Wo hat jemand eine falsche Einstellung oder vielleicht einen hindernden Glaubenssatz und dann versuchen wir direkt da anzusetzen. Sehr wichtig ist auch der Rahmen. Wir werden ja durch einen gewissen Rahmen, durch unsere Gewohnheiten auch gesteuert und da liegt ein riesiges Potential verborgen.

Nur ein kleines Beispiel. Wie Sie den Tag beginnen, so wird er auch verlaufen. Also, wenn Sie morgens auf den letzten Drücker aus dem Bett springen, schnell einen Kaffee runterstürzen und auf den Bus rennen müssen, dann starten Sie Ihren Tag schon in einer großen Hektik und der ganze Tag wird ganz genau so ablaufen. Wie der Tag beginnt, wird er auch verlaufen. Wenn es Ihnen aber gelingt sich Zeit zu nehmen, mit der Familie gemütlich zu frühstücken, vielleicht noch irgendetwas zu tun, was Ihnen guttut, etwas lesen oder vielleicht einen Spaziergang oder Sport oder sowas, dann sind Sie ganz anders aufgestellt und das hat einen direkten Einfluss auf die Produktivität.

Deshalb ist eben meine These, Zeitmanagement beginnt im Kopf und nicht unbedingt in den Tools und in Tipps und Tricks, die man so hört. #00:08:50-4#

Petra Koch: Super. Und wenn wir jetzt nochmal auf den CIO und den IT-Manager schauen, wie kann er seine Potentiale optimal nutzen und auch die Produktivität steigern? Welche Rolle spielen dabei zum Beispiel auch Rückzugsmöglichkeiten, Schlaf und so weiter? Sie haben gerade eben schon gesagt, es beginnt halt im Kopf. Und man sagt auch bekanntlich, in der Ruhe liegt die Kraft. Also wie schafft man das quasi für sich selber diese Ruhe zu bekommen oder auch diese Glaubenssätze dann zu identifizieren und auch quasi diese Routinen dann zu ändern? #00:09:19-3#

Ivan Blatter: Sie sprechen da sehr, sehr wichtige Themen an. Eben Rückzugsmöglichkeiten, Schlaf und so weiter. Das ist das, was ich so unter dem Rahmen verstehe, unter den Gewohnheiten, die uns auch ähm bestimmen. Ich glaube, diese Gewohnheiten bestimmen sogar alles. Also man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig Rückzugsmöglichkeiten und Schlaf beispielsweise sind. Das kennen wir alle.

Wenn wir mal unausgeschlafen sind oder schlecht geschlafen haben, können wir nicht die Leistung bringen, die wir eigentlich bringen könnten. Und gerade das Thema Schlaf ist so eines. Die meisten Menschen, die schlafen eindeutig zu wenig. Studien zeigen, dass 90 bis 95 Prozent der Menschen 7 bis 8 Stunden Schlaf pro Nacht brauchen. Wenn Sie denken, Sie können mit weniger Schlaf durchkommen, dann stimmt das schon. Sie können funktionieren, aber Sie rufen Ihr Potential nicht ab. Es geht sogar noch weiter. Ich behaupte sogar, dass Sie vergessen haben, zu was Sie fähig sind, wenn Sie richtig ausgeschlafen sind. Man kann sich ja an ein Schlafdefizit auch ein Stück weit gewöhnen und man weiß gar nicht mehr, was man eigentlich leisten könnte. Und das ist unglaublich. Also da liegt eine Produktivitätssteigerung sondergleichen drin.

Produktives Arbeiten ist immer ein Wechsel von Anspannung und Entspannung, also Rückzug, Erholung, Pausen, all diese Dinge sind unglaublich wichtig. Und wenn Sie nur eine kleine Optimierung brauchten, wenn Sie sagen, ich bin ziemlich gut aufgestellt, ich möchte meine Produktivität nur so ein klein wenig optimieren und ein bisschen mich besser aufstellen, dann genügen ein paar Tools und ein paar Tipps, keine Frage.

Aber, wenn Sie einen richtig großen Sprung vorwärts machen wollen, dann sollten Sie auf Ihren Rahmen schauen und eben auf das, was außerhalb der Arbeit auch passiert. Schlaf, Ernährung, gehört auch dazu. Bewegung, Sport, trinken Sie genug oder nicht und so weiter. Das sind alles unglaublich wichtige Fragen und deshalb haben Sie völlig Recht, auch in der Ruhe liegt natürlich die Kraft, weil da schöpfen Sie die Kraft, die Sie dann brauchen, um Ihr Potential optimal nutzen zu können. #00:11:17-9#

Petra Koch: Super. Das sind auch so Sachen, die gehen weit über den Arbeitsalltag hinaus. Das ist eigentlich quasi eher so eine Art, wie ich lebe und wie ich mein gesamtes Leben gestalte. Wenn wir jetzt mal auf den Arbeitsalltag schauen, wie schafft ein CIO und IT-Manager es da sich zum Beispiel Zeit und Freiraum zu schaffen, zum Beispiel vielleicht für strategische Fragestellungen, für innovative Themen? Wie kann man so etwas erreichen aus Ihrer Sicht? #00:11:43-4#

Ivan Blatter: Sie sagen das sehr gut. Sie sagen, wie kann man sich Zeit schaffen? Und ich glaube, das ist der springende Punkt. Diese Zeit, die wird Ihnen nicht geschenkt. Wenn Sie sich einfach treiben lassen, dann werden Sie aufgerieben durch Dringlichkeiten oder durch scheinbare Dringlichkeiten und Sie sind so wie ein Ball im Flipperautomaten und werden durch den Tag geschleudert. Um dem zu begegnen, muss man sich Zeit schaffen. Man muss die sich nehmen, man muss sie auch durchsetzen und verteidigen. Und das ist nicht immer ganz einfach.

In jenem Fall, wenn Sie mehr Zeit und Freiraum für strategische Fragen und Innovationen brauchen, in jenem Fall müssen Sie sich dann zurückziehen. Nicht wochen- und tagelang, das geht ja nicht, aber jeden Tag wenigstens 30 bis 60 Minuten, wo Sie ungestört an einer strategischen Frage arbeiten können oder versuchen irgendwelche Innovationsprozesse durchzuführen oder sowas. Das geht nur in der Ruhe und ohne Unterbrechungen. Ich glaube, heutzutage ist die Kunst, so eine gute Mischung zwischen ständiger Erreichbarkeit und Rückzug zu finden. Wir können nicht nur das eine ohne das andere haben.

Wenn wir ständig erreichbar sind und uns ständig unterbrechen lassen, dann fallen eben diese größeren, wichtigeren strategischen Fragen hinten runter. Aber wir können uns natürlich auch nicht die ganze Zeit einfach zurückziehen, sonst wären wir irgendwo in einem Kloster oder so. Und das geht ja auch nicht. Also die Kunst besteht darin eine gute Balance zu finden und sich jeden Tag auch so Zeit zu schaffen. Das kann man tun, indem man beispielsweise sich sagt: Okay, in der ersten Stunde des Tages, da ziehe ich mich zurück. Da beantworte ich keine E-Mails, da leite ich das Telefon um auf die Zentrale oder auf die Voicemail oder wo auch immer.

Im Notfall wird man mich ja schon finden. Es gibt ja immer noch Smartphones oder sowas. Das ist ja nicht so das Problem, das ist nur eine Frage der Organisation. Oder man könnte sagen, nach dem Mittagessen investiere ich eine Stunde in strategische Fragen. Oder vor dem Feierabend oder irgend sowas. Aber das ist wichtig und diese Zeit muss man sich wirklich nehmen und ganz bewusst setzen, sonst werden Sie von der Alltagshektik aufgefressen. #00:13:48-1#

Petra Koch: Sind Sie denn auch ein Freund von diesen ganz straff durchgetakteten Tagen? Es ist in einem Arbeitsalltag der Führungskraft jetzt nicht immer so, dass man quasi immer so ganz freie Blöcke hat, dass man das durchsetzen kann oder wie sind da Ihre Erfahrungen?

Also gibt’s da wirklich so diese straffen Blöcke, dass Sie sagen, wie eine Stunde nach dem Arbeitsbeginn oder zum Beispiel immer nach der Mittagspause und so weiter? Ist das praktikabel oder auch für alle gut oder ist das eher auch eine Frage der Flexibilität, dass man das so macht, wie es gerade auskommt? Das könnte ich mir vorstellen, fragen sich vielleicht auch viele Führungskräfte. #00:14:23-1#

Ivan Blatter: Das hängt von zwei Dingen ab. Erstens mal, wie viele Unterbrechungen müssen Sie zulassen als IT-Manager, vor allem, wenn Sie auch noch vielleicht im Support tätig sind oder so müssen Sie mehr Unterbrechungen zulassen als Buchhalter beispielsweise. (lachen beide) Das ist das eine Kriterium und das andere Kriterium ist, wie viele Termine, Meetings und Sitzungen habe ich? Wenn ich sehr viele Sitzungen habe, sehr viele Termine, dann geht das natürlich nicht mit dieser regelmäßigen Zeit, weil meistens ist da schon ein Meeting in meinem Kalender drin. #00:14:55-5#

Petra Koch: Genau. #00:14:56-0#

Ivan Blatter: Dann müssen Sie diese Blöcke, wo Sie sich zurückziehen, rollend planen. Also dann können Sie hingehen und sich jede Woche fragen: Okay, welche freien Blöcke habe ich noch, die ich mir jetzt nehmen kann und für mich reservieren kann? Denn bei vielen Terminen stellt sich immer die Frage: Wann arbeiten Sie überhaupt? #00:15:12-9#

Petra Koch: Ja genau, genau. #00:15:13-8#

Ivan Blatter: Wann erledigen Sie eigentlich Ihre Aufgaben? #00:15:15-9#

Petra Koch: Das kenne ich auch von genügend Terminkalendern, die ich schon mal gesehen habe, wo man sich fragt: Wo ist da eigentlich jetzt noch die Lücke für Vor- und Nachbereitung? #00:15:22-1#

Ivan Blatter: Genau. Ja. Ganz genau. Und, wenn Sie da nicht irgendeine Firewall installieren, dann geht es ruck zuck und dann sind sämtliche Blöcke einfach weg. Also das nenne ich gerne Termine mit sich selber. Das funktioniert sehr gut, wenn man nicht alle freien Blöcke so wegblockiert. Und das funktioniert sehr gut, wenn man diese Termine mit sich selber auch ernstnimmt, wie andere Termine auch.

Das heißt, sie beginnen und sie enden pünktlich, sie haben ein Ziel, es geht da nicht einfach drum mal so vorsorglich ein paar Blöcke wegzustreichen, sondern was wollen Sie dann tun? Was wollen Sie in dieser Stunde, die Sie da Morgennachmittag blockiert haben, was wollen Sie dann erledigen? Dann funktioniert das recht gut. #00:16:03-4#

Petra Koch: Klasse. Genau diese Möglichkeit ist dann auch eine Option fokussiert die Dinge anzugehen und so wie es gerade besprochen haben, eben auch diese ständigen Anfragen vielleicht mal zurückzustellen und in Notfällen haben Sie eben auch schon mal angesprochen, ist man dann trotzdem wahrscheinlich irgendwie erreichbar. Vielleicht IT-Manager und CIOs haben auch Sekretariate, das heißt, da gibt’s auch die Möglichkeit nochmal irgendwie zu gucken und zu filtern, ob der Anruf jetzt durchgeht oder vielleicht doch nicht. #00:16:32-1#

Ivan Blatter: Ganz genau. Das ist der springende Punkt. Wir reden zwar von Zeitmanagement, aber eigentlich mal abgesehen davon, dass der Begriff an sich schon blöd ist, denn Zeit kann man ja nicht managen. Jeder hat 24 Stunden Zeit, egal was Sie da tun. #00:16:44-5#

Petra Koch: Das stimmt. (lacht) #00:16:45-0#

Ivan Blatter: Wenn Sie heute eine Stunde Zeit sparen, haben Sie morgen nicht plötzlich 25 Stunden. (lacht) Schön wäre es. #00:16:50-9#

Petra Koch: Das wäre gut. Ich glaube dann würden manche das Sparen anfangen. #00:16:53-7#

Ivan Blatter: Ja, aber ich kann Ihnen eines garantieren. Egal, wenn Ihr Tag auch 48 Stunden Zeit hätte, Sie hätten die gleichen Probleme. Sie würden einfach noch mehr Aufgaben übernehmen und noch mehr Dinge tun wollen, noch mehr Verantwortung übernehmen. Das Problem wird sich dadurch nicht lösen. Und was Sie jetzt gesagt haben, eben mit den Notfällen oder echten Dringlichkeiten, das lässt sich organisieren. Zeitmanagement ist erstens eher Selbstmanagement und zweitens hat unglaublich viel mit Kommunikation zu tun. Wie gehen wir im Team miteinander um?

Wie schaffen wir es im Team oder in der ganzen oder im ganzen Unternehmen, wie schaffen wir es, dass sich jeder Zeit auch nehmen kann, wo er sich zurückziehen kann? Und das hat mit klaren Prozessen zu tun, für Notfälle beispielsweise. Das hat mit Kommunikation zu tun und mit solchen Themen. Und da sind wir dann schon sehr in der Führungstheorie, wenn man so will. #00:17:45-2#

Petra Koch: Und Sie sagten das jetzt gerade auch. Für das gesamte Team, das finde ich auch sehr wichtig. Führungskräfte sollten aus meiner Sicht auch darauf achten, dass sie die Produktivität ihres Teams und auch ihrer Mitarbeiter steigern und auch da den Freiraum für Innovationen et cetera ermöglichen. Was haben Sie da für Erfahrungen gemacht?

Ich gehe mal davon aus, man muss es erstmal für sich selber im Griff haben und kann dann auch schauen, dass man das für die Mitarbeiter entsprechend ermöglicht. Wie sind da Ihre Erfahrungen dazu? #00:18:11-8#

Ivan Blatter: Ja ich sage es mal direkt. Es gibt doch bei Ihnen so das Sprichwort:

„Der Fisch stinkt vom Kopf.“

(lachen beide) Und das bringt es einfach auf den Punkt. Wenn Sie als Führungskraft ein schlechtes Zeitmanagement haben, wenn Sie nicht Klarheit schaffen, wenn Sie die Aufgaben nicht gut verteilen und so, dann wird sich das durch das ganze Team und äh das ganze Unternehmen durchziehen. Also Zeitmanagement ist auch Chefsache finde ich. Erstens heißt das natürlich, dass Sie ein gutes Zeitmanagement vorleben. Es geht hier natürlich nicht um Perfektion. Niemand ist perfekt und das ist auch völlig uninteressant, aber es geht darum, dass Sie doch gut bis sehr gut organisiert sind, Ihre Dinge im Griff haben.

Dann ist es auch Ihnen als Führungskraft, optimale Bedingungen zu schaffen. Das heißt, einerseits das Equipment oder die Bürosituation an sich, falls Sie darauf einen Einfluss haben, aber das heißt auch für gute, optimale Prozesse zu sorgen. So wie wir das vorhin kurz andiskutiert haben.

Was passiert eigentlich bei einem Notfall und der Chef ist in der Sitzung? Was passiert dann beispielsweise? Oder der Chef ist im Gespräch. Wer ist dann die Stellvertretung oder in welchen Fällen kann man den Chef dann stören und so weiter und so fort. Das sind Prozesse, die man vorher definieren kann. Und nicht jeder Notfall ist Chefsache. Da muss sich nicht immer unbedingt die Führungskraft drum kümmern. Und das können Sie sich vorher überlegen und auch klar so kommunizieren.

Also optimale Bedingungen schaffen. Und das hat auch wieder sehr viel damit zu tun, eben Klarheit zu schaffen, klar zu kommunizieren. Ich glaube, ganz wichtig ist auch, dass man als Führungskraft keine Business belohnt. #00:19:50-8#

Petra Koch: Ach so beschäftigt aussehen. #00:19:52-8#

Ivan Blatter: Heutzutage, ja genau, also heutzutage gilt ja der als produktiv, der einfach am beschäftigsten rumrennt und immer sagt: Uh, habe keine Zeit, ich habe Stress. Ich glaube das ist fatal. Ich glaube, wenn Sie nie Zeit haben und immer im Stress sind, dann sind Sie einfach schlecht organisiert. Und als Führungskraft sollte man das nicht unbedingt belohnen.

Sondern man sollte belohnen, wenn jemand einen aufgeräumten Schreibtisch hat, wenn er seine Dinge im Griff hat, wenn er einen entspannten Eindruck macht und wenn ich als Chef den Eindruck habe: Doch der holt das raus, was in ihm steckt. Dafür habe ich den ja auch angestellt. So. Und das sollte eigentlich belohnt werden und nicht diese Business. #00:20:28-0#

Petra Koch: Auch auf die Ergebnisse schauen und #00:20:30-6#

Ivan Blatter: Und auf den Menschen, und auf den Menschen. Nicht nur auf die Ergebnisse, sondern auch, wie geht’s dem denn. Denn, wenn Sie ein Top Ergebnis haben und der Mitarbeiter läuft auf den Felgen wie man bei uns sagt. #00:20:41-6#

Petra Koch: Nein, nein, das soll’s nicht sein. Weil ich dachte jetzt gerade an Ihr entspanntes Aussehen quasi. Wenn er so entspannt aussieht und es wird nie was fertig, ist sicherlich auch nicht gut, aber wenn er #00:20:50-9#

Ivan Blatter: Nein. #00:20:50-7#

Petra Koch: Quasi alles erledigt und er sieht dann immer noch entspannt aus. Das wäre quasi der Optimalzustand? #00:20:55-7#

Ivan Blatter: Ganz genau. Ja. #00:20:56-5#

Petra Koch: Das wäre wahrscheinlich dann andersrum und ein Zeichen für eine Führungskraft dann auch mal einzuschreiten oder? Wenn die Ergebnisse zwar gut sind, aber der Mitarbeiter irgendwie ständig völlig überlastet aussieht, das wäre wahrscheinlich eher so ein Warnsignal oder? #00:21:08-5#

Ivan Blatter: Genau. Also als Führungskraft muss man auch lernen Grenzen zu setzen. Wenn ein Mitarbeiter halt ständig ähm nach Feierabend oder am Wochenende noch E-Mails schreibt oder so, dann würde ich mit dem Mal ein Gespräch führen. Denn wir brauchen Erholung, wir brauchen eben auch die Entspannung und nicht nur die Anspannung. Und auch da wieder, das können Sie vorleben als Führungskraft.

Ich bin mir schon bewusst, dass Führungskräfte gerne halt mal am Samstag oder Sonntagabend ein paar Mails schreiben. Das ist eigentlich auch okay, wenn sie das freiwillig und gerne machen. Aber sie sollten das nicht von ihren Mitarbeitern verlangen und äh sie sollten das auch nicht unbedingt belohnen. Ich kenne eine Führungskraft, also einen Geschäftsführer von einem kleinen Unternehmen, der schreibt häufig am Sonntag seine E-Mails, aber der hat so ein kleines Zusatzprogramm installiert, das diese E-Mails erst am Montag versendet werden.

Und das finde ich schlau, er will einfach nicht den Eindruck schaffen, dass die Mitarbeiter plötzlich denken, ich muss die E-Mails vom Chef schon auch am Sonntagabend lesen oder beantworten. Das will er nicht und deshalb hat er dieses kleine Tool installiert. So hat er die Freiheit, die Mails zu schreiben, wann er will, aber sie werden dann verschickt, wenn es, also während der Bürozeiten. Und das finde ich gut. #00:22:14-3#

Petra Koch: Da ist natürlich ein Tool dann auch clever eingesetzt. #00:22:17-1#

Ivan Blatter: Ganz genau. Ja. Aber der hat sich vorher überlegt: Weshalb will ich das? Was bringt mir das? Und wie kann ich diese Diskrepanz hier aufheben. Ich würde gerne am Sonntag arbeiten, aber ich will nicht, dass sich die Mitarbeiter verpflichtet fühlen am Sonntag E-Mails zu lesen. Und dann hat er ein Tool gesucht. So ist eigentlich die richtige Reihenfolge. #00:22:35-4#

Petra Koch: Klasse. Wenn Sie einem CIO beziehungsweise einer IT-Führungskraft einen Tipp geben könnten, welcher wäre das? #00:22:42-4#

Ivan Blatter: Ja ich würde sagen, eigentlich so die Zusammenfassung des bisherigen Gesprächs. Also nehmen Sie die Fäden in die Hand, ziehen Sie sich auch mal zurück und lernen Sie auch unbedingt Nein zu sagen. Denn schlussendlich ist es Ihre Zeit und Sie dürfen über diese Zeit verfügen. Natürlich haben Sie gewisse Verpflichtungen, aber es ist immer noch Ihre Zeit, Sie dürfen darüber verfügen und sie auch geschickt einsetzen, dass es dem Unternehmen und auch Ihnen dient. #00:23:10-2#

Petra Koch: Super. Herr Blatter, vielen, vielen Dank fürs Interview. Hat mir Spaß gemacht. Und ich glaube, da haben viele Führungskräfte jetzt einiges zum Ausprobieren und zum in den Alltag überführen in den nächsten Wochen. Ich denke, dass kann man auch super direkt anwenden. #00:23:23-8#

Ivan Blatter: Sehr schön. Ich danke Ihnen, Frau Koch. #00:23:26-2#

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