CIO 032 – Die IT-Organisation eines Krankenhauses im digitalen Wandel – Interview mit Jens Schulze

Jens Schulze

Jens Schulze

Hallo und herzlich willkommen zur Folge 32. In der heutigen Folge geht es um die IT-Organisation eines Krankenhauses im digitalen Wandel. Wenn die Krankenakte plötzlich digital und nicht mehr in Papierform ist ergeben sich besondere Herausforderungen im Krankenhaus. Über dies und vieles weitere spreche ich mit Jens Schulze, CIO am Klinikum in Leverkusen.

Folgende Aspekte werden in der Podcast-Folge besprochen:

  • Aktuelle Herausforderungen für die IT-Organisation [00:02:00]
  • Strategische und operative Handlungsoptionen mit Demand- und Architekturmanagement für die Krankenhaus-IT-Organisation [00:03:30]
  • Einbeziehung der Mitarbeiter in den digitalen Wandel [00:08:20]
  • Besonderheiten der Krankenhaus-IT: Rahmenparameter und IT-Trends [00:10:40]
  • Gesundheitsdaten im vernetzten Gesundheitsökosystem bestehend aus Medizintechnik, Krankenhaus-IT, Ärzten, Krankenkassen, Apotheken und Patienten [00:14:30]
  • Es geht um Menschenleben: Die Krankenhaus-IT läuft 24/7 und 365 Tage im Jahr [00:23:35]
  • Spagat zwischen Regulierung und Flexibilisierung in der IT-Organisation eines Krankenhauses [00:28:10]
  • Ein Tipp an die CIOs und IT-Manager [00:30:15]

Jens Schulze ist seit 2013 CIO und Leiter der Informationstechnologie, also IT, und Medizintechnik am Klinikum Leverkusen. Zuvor war er IT-Projektleiter am Universitätsklinikum Bonn und Anwendungsbetreuer für Systemtechnik am Universitätsklinikum Magdeburg. Herr Schulze sammelte weitere Berufserfahrung und Einblicke in die IT im Gesundheitswesen bei der Agfa Health Care als Berater für Kardiologie-Informationssysteme und bei der ACM Consult als Systemadministrator und Anwendungsbetreuer.

Herr Schulze hat eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker abgeschlossen und berufsbegleitend einen Master of Science in IT in Health Care and Life Science, also für IT im Gesundheitswesen an der Donau-Universität Krems abgeschlossen und weitere Zertifikats-Studiengänge im IT-Management und im Projektmanagement absolviert.

Freuen Sie sich mit mir auf spannende Einblicke in die IT des Gesundheitswesens und in den Wandel der Informationstechnologie im Krankenhaus. Viel Spaß beim Interview. Wir freuen uns über Ihr Feedback zum Interview.

Transkript des Interviews

Petra Koch: Was sind die größten Herausforderungen, die Sie aktuell für IT-Organisationen sehen? #00:01:57.1#

Jens Schulze: Also aktuelle Herausforderungen, da sehe ich eigentlich für mich so zwei größere Punkte. Der eine Punkt ist die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung, die wir heutzutage haben. Das ist eine große Herausforderung und die zweite große Herausforderung ist halt diese einfache Art und Weise für den Anwender auf neue Technologien zuzugehen, diese auch zu nutzen.

Wenn man mal überlegt, wenn man einen Internetzugang heutzutage hat und ein Endgerät, dann kann man schon relativ schnell einfache komplexe Systeme nehmen, nutzen, in seinen Prozessen integrieren, ohne dass man überhaupt jemanden mit IT überhaupt benötigt. Und das sind so für mich zwei große Herausforderungen, die ich so sehe.

Da muss man auch sagen, dass Herausforderungen ja auch wiederum abhängig von der Branche und vom jeweiligen Unternehmen sind. Wo man dann detaillierter gucken muss, wie sieht es da so aus? Was sind so gewisse Kernthemen, die gerade so in den Unternehmen ja existent sind, mit denen man sich auseinandersetzen muss? Das betrifft zum einen auch die unternehmensinternen Geschäftsprozesse, dass man die kennt als Fachbereich. Das ist so eine Herausforderung. Und auf der anderen Seite, dass man auch mit den Fachbereichen im Unternehmen in engem Kontakt steht. Das ist so ein Thema und auch eine Herausforderung, weil man ja im ständigen Dialog auch stehen muss mit seinen unternehmensinternen Fachbereichen, um dann auch wirklich zu verstehen, was ist da gerade los? Um dann auch das Wissen über das Geschäft und über den Kunden zu erlangen, weil das ist für mich auch eine Voraussetzung für die Zukunft, auch für die IT-Organisation, weil das ist quasi so diese Grundlage für das gesamte Handeln, das gemeinsame Handeln im Unternehmen.

Und das irgendwie hinzukriegen, finde ich schon einen Ritt auf der Klinge oftmals, um wirklich sauber dann die mit der IT-Organisation, ich sage mal die Unternehmensprozesse und alles was da mitschwingt, zu unterstützen. #00:03:37.1#

Petra Koch: Ja super. Also Sie haben jetzt vor allen Dingen die Kommunikation mit dem Fachbereich angesprochen, dass es da wirklich darum geht wirklich nah an den Leuten zu sein, nah an den Fachbereichsthemen auch zu sein. Wie begegnen Sie diesen und den anderen Herausforderungen, die Sie gerade genannt haben, sowohl strategisch als auch operativ? #00:03:55.0#

Jens Schulze: Also für mich muss man ganz klar sagen, man muss mit der IT-Organisation eine gewisse Fokussierung haben und zwar auf die Ausrichtung und auf die Themen des Unternehmens zum einen. Und dann muss man auch wirklich in einem engen Dialog mit Fachbereichen stehen und das heißt für mich auch, dass man, wenn man jetzt gerade operativ denkt, regelmäßige Termine auch macht mit entsprechenden Verantwortlichen, mit entsprechenden Leuten, die auch so ein bisschen ich sage mal die Brücke zwischen Fachbereich und zwischen IT schlagen. Dass man mit denen im engen Dialog steht, um die einzelnen Themen immer wieder zu besprechen, um da auch mitzukriegen, was läuft da gerade.

Das andere Thema ist, dass man halt seine IT-Organisation entsprechend ausrichten und auch weiterentwickeln muss. Das heißt auch, dass man dann schaut, was Weiterentwicklung anbelangt, was sind dann zukünftig unsere Schwerpunkte als IT? Wie können wir da unterstützen? Wo kümmern wir uns zukünftig drum und welche Themen machen wir mit oder über Dienstleister? Das sind sowohl strategische als operative Herausforderungen, da muss man dann auch wiederum gucken, dass man dann die Sachen weiter runterbricht und guckt, was hat man für Verträge und so etwas alles.

Um dann da zu überlegen: Wie geht man da am besten vor? Auch strategisch dann, dass man keinen bunten Strauß an Blumen hat, was Dienstleister im Hintergrund anbelangt, die einen unterstützen, sondern schon so ein bisschen auch eine ich sage mal so versucht da so mit so wenig Dienstleistern wie möglich halt die gesamte Bandbreite auch zu unterstützen. Und auf der anderen Seite halt auch seine Leute mit entwickeln in der Form, dass sie dann die Themen, die zukünftig die Themen der IT-Organisation im Unternehmen sind, dass sie die zum einen auch verstehen und auf der anderen Seite auch anwenden und umsetzen können. #00:05:33.7#

Petra Koch: Ja. Wie gehen Sie denn damit um, wenn Sie jetzt sagen, ich sehe einen IT-Trend oder ich sehe einen Trend, dass zum Beispiel Geschäftsprozesse eigentlich durch Unterstützung oder durch einfache Tools so wie Sie das ganz zu Anfang angesprochen haben, unterstützt werden können? Gehen Sie da proaktiv auf die Fachbereiche zu und sagen „Wir sehen da Verbesserungspotenzial“ oder wie läuft das bei Ihnen ab? #00:05:51.5#

Jens Schulze: Es gibt unterschiedliche Ansätze, das ist immer abhängig vom Geschäftsprozesse an sich, den man da gerade hat und von den gegebenenfalls schon technischen Möglichkeiten, die vielleicht schon seit längerer Zeit im Hause existent sind, die in diesem Bereich nur noch nicht ausprägend genutzt werden.

Weil haben es sehr oft oder wir erleben es sehr oft, dass man gewisse Applikationen schon im Haus hat, die auch die gewissen Funktionalitäten, die man gerade für gewisse Geschäftsprozesse benötigt, dass sie eigentlich schon da sind diese Systeme, wo vielleicht nur noch irgendwas, eine Funktion aktiviert werden muss. Und das ist das eine, um dann mitzukriegen, was ist gerade in den Prozessen draußen los? Was sind die Anforderung der Anwender? Auf der anderen Seite muss man nach innen wieder gucken, was haben wir alles schon?

Um den Leuten das dann nach außen wiederum anzubieten:

„Hier liebe Leute, wir müssen das Rad nicht neu erfinden und wir müssen nichts Neues raussuchen. Wie sieht es mit dieser Lösung aus?“

Das ist das eine und auf der anderen Seite dann auch zu gucken, was gibt es bei gewissen Fragestellungen beispielsweise draußen am Markt für Lösungen, auch für einfache Lösungen, die zum einen in die IT-Infrastruktur, Architektur reinpassen oder gegebenenfalls auch so in der Zukunft von uns unterstützt werden können. Und da muss man halt auch immer schauen und sich Gedanken zu machen, das heißt auf der anderen Seite auch, wenn man nach außen guckt, muss man gucken wie sind die Entwicklung draußen am Markt an sich? Wo geht da die Reise hin? Und wie passt das wiederum überein mit dem, was man gerade intern irgendwo hat? Wie kriegt man das zusammen? Wie richtet man dann die gesamte IT-Situation entsprechend aus, damit man zukünftig nicht in Problem reinläuft. #00:07:18.4#

Petra Koch: Ja. Auch was Sie eben sagten, fand ich super. Sehe ich nämlich auch in ganz vielen Unternehmen, dass intern schon Systeme vorhanden sind und eben teilweise auch weiter ausgedehnt werden können auf andere Fachbereiche. Und da muss aber eben, was Sie angesprochen haben, auch die Transparenz über die interne IT-Architektur vorhanden sein und in der IT-Organisation auch bekannt sein. Das ist ja ein ganz wichtiger Faktor, dass ich da auch agieren kann als IT. #00:07:41.7#

Jens Schulze: Genau. Das ist auch ein Punkt, wo man gerade, wenn es um diesen Kostenaspekt geht, um Investitionen zu neuen Produkten, dass man dann auch schaut und auch so eine Gegenüberstellung macht. Ich meine, wenn man jetzt unbedingt als Fachbereich in ein anderes vielleicht auch besseres Produkt haben möchte, dass man dann wiederum, wenn man dieses Thema schon im Haus hat, das was man da hat gegebenenfalls auch abkündigt, deinstalliert, um dann wiederum auch die IT-Infrastruktur an sich so ein bisschen zu verschlanken und auch die Komplexität wieder rauszunehmen, weil es macht ja keinen Sinn Funktion zu haben, die man auch updaten muss, die einem irgendwann mal auf die Füße fallen, weil sie einfach da sind, aber man auf der anderen Seite gegebenenfalls wiederum eine ganz andere Applikation hat, die genau diese Prozesse unterstützt in den Bereichen. #00:08:21.9#

Petra Koch: Ja. Super Punkt. Sie haben das eben auch schon angesprochen, die strategischen und operativen Herausforderungen, wie Sie den begegnen und da haben Sie auch auf die IT-Organisation verwiesen und den Wandel. Wie nehmen Sie da Ihre Mitarbeiter mit? Was sind da so Punkte, wo Sie sagen, wenn Sie jetzt sagen „Wir müssen da was ändern, auch vielleicht die Zusammenarbeit mit Dienstleistern intensivieren oder verändern“, wie funktioniert das bei Ihnen? #00:08:45.5#

Jens Schulze: Zum einen muss man immer die Mitarbeiter und Kolleginnen und Kollegen alle immer wieder da abholen, wo sie gerade stehen, das heißt oftmals ist es so, dass sie ja nur unsere Strukturen aus dem Haus her kennen, aus dem Unternehmen kennen, das, was bis dato so da ist, gegebenenfalls noch vielleicht, was andere Einrichtungen ringsherum einsetzen, verwenden, wie es da so läuft.

Was ich sehr oft erlebe ist halt der Blick über den Tellerrand raus, was ist gerade so am Markt los? Was geht da grad so ab? Wo geht da die Entwicklung hin? Und da ist es dann, dass man die Leute abholen muss und gerade mit diesen Themen, was draußen so los ist, gepaart mit dem, was gerade bei uns im Unternehmen an Anforderung existiert, dass man da die Leute erst mal darauf aufmerksam macht, dass ein gewisses Verständnis dafür dann auch geweckt wird bei den einzelnen Leuten. Weil das ist auch immer so ein Punkt, dass man immer so gerade auch in der IT so ein Beharrungsverhältnis hat, dass die Leute so nach dem Motto:

„Never touch an Running System, das war bis jetzt schon immer so und das ist immer unsere Systemphilosophie und Architektur und unser einzelnes Vorgehen.“

Dass man darüber auch dann mal sagt:

„So liebe Leute, guckt doch mal, was draußen gerade so los ist, gerade auch in anderen Branchen, weil gerade der Blick in andere Branchen rein zeigt natürlich auch was zukünftig bei uns im Gesundheitswesen auf uns drauf zukommt, weil wir auch von gewissen Basisthemen abhängig sind.“

Und gerade dann, wenn man so auf einzelne Themenstellungen dann hinweist, sei es aufgrund von irgendwelchen Mitteilungen im Internet, Presse, wie auch immer und darüber dann mal die Situation, unsere Situation erklärt, darüber kriegt man das eine oder andere Verständnis bei den Kollegen dann auch geweckt. Wenn man das dann kontinuierlich macht, also immer wieder mit diesen Themen um die Ecke kommt, weil irgendwann verinnerlicht sich das auch bei den Leuten. Und dann ist auch der Gedankengang auch in die Richtung. #00:10:22.8#

Petra Koch: Also sozusagen der stete Tropfen. Ja? #00:10:24.9#

Jens Schulze: Genau. Genau richtig. Dass man immer wieder auf diese Themen dann so drauf eingeht und immer wieder auch versucht mit anderen Beispielen dann, die man grad so erkennt, dass man so sieht, was woanders gerade los ist, immer wieder darauf eingeht, um die Themen dann anzusprechen. Das ist zwar sehr, sehr mühselig, aber andere Chancen hat man da nicht die Leute auch mitzunehmen in diesen Bereichen. #00:10:44.4#

Petra Koch: Ja. Super. Was sind denn Besonderheiten der Krankenhaus-IT? Sie haben das gerade schon angesprochen, im Gesundheitswesen ist ja gerade auch im informationstechnischen Bereich viel los. Was sind da aus Ihrer Sicht die Besonderheiten, die Sie in der Krankenhaus-IT so zu meistern haben? #00:10:58.3#

Jens Schulze: Also die Besonderheiten in der Krankenhaus-IT, ich fange jetzt mal an bei den Grundmitteln, die man da so benötigt. Das geht ja schon bei finanziellen Ressourcen los. Dass gerade im deutschen Gesundheitswesen finanzielle Mittel halt nicht so vorhanden sind wie vielleicht in anderen Bereichen, anderen Branchen, das ist schon mal ein so ein Schwerpunkt. Auf der anderen Seite halt der Investitionsstau, den es da irgendwo gibt. Damit geht einher, dass man sehr, sehr oft noch veraltete Technologien einsetzt, einsetzen muss, oftmals überhaupt nicht hinterhergekommen ist diese ganzen Strukturen alle zu aktualisieren, auf neue Füße zu stellen. Auf der anderen Seite aber dann wiederum mit neuen Themen konfrontiert wird, weil der Markt sie vorgibt, weil gesetzliche Anforderungen dahinterstecken und das Ganze in Einklang zu bringen ist natürlich schon eine ganz große Herausforderung.

Die zweite Betrachtungsweise ist, dass wir gerade was das Personal anbelangt aktuell und in Zukunft immer mehr Probleme kriegen werden, weil wir als Krankenhäuser dann doch nicht so im Bereich IT attraktiv sind, um da die entsprechenden ich sage mal Fachkräfte zu bekommen. Das heißt für uns auch, wir müssen gucken wie wir Möglichkeiten schaffen unsere Leute, die wir derzeit haben oder die wir bekommen können, in die richtige Richtung auch weiter zu entwickeln, damit wir dann da das zukünftige Geschäft, was wir so haben, was auf uns zukommt, was die IT betrifft, wirklich adäquat unterstützen zu können.

Und gerade die ganzen gesetzlichen Vorgaben und Vorlagen die es da jetzt gerade so gibt und diese ganzen Änderungen, sei es EU Datenschutzgrundverordnung, IT-Sicherheitsgesetz, kritische Infrastruktur (KRITIS), die natürlich auch die Krankenhäuser betreffen, ist das dann auch in der Hinsicht ich sage mal eine Änderung auch für die bestehenden Mitarbeiter der IT-Organisation, dass man zukünftig viel mehr auch mit administrativen Themen zu tun hat als mit technischen Themen. Weil viele Sachen, die man technisch umsetzen will, anpacken muss, setzt natürlich voraus, dass die ganze administrative Grundstruktur vorhanden ist. Wenn nicht vorhanden, dann erst noch geklärt werden muss bevor man da irgendwo aktiv wird in den Bereichen. Und gerade im Gesundheitswesen oder gerade in der Krankenhaus-IT ist es ja dann so, dass man heutzutage eine enge Verknüpfung mit Medizintechnik hat und bei der Medizintechnik kann man noch Medizinprodukte-Gesetz, Medizinproduktebetreiber-Verordnung, die man als Krankenhaus-IT auch mitberücksichtigen muss. #00:13:06.5#

Petra Koch: Mhm (bejahend). Was heißt das konkret? Was sind da so Herausforderungen, die Sie mit den Themen noch konkret haben? #00:13:11.9#

Jens Schulze: Wenn man heutzutage überlegt, dass sämtliche medizintechnische Systeme und Gerätschaften eigentlich IT-basiert sind. Das heißt, ich habe entweder irgendwo einen gewissen Rechner oder irgendwo zumindest eine Steuereinheit mit einem Betriebssystem, die wiederum vernetzt werden muss größtenteils auch und die dann wiederum auch in die IT-Infrastruktur oder überhaupt so ans Netzwerk angeschlossen werden muss. Und da sind ja schon die ersten Berührungspunkte, die man hat. Und da merkt man auch dann wiederum die Distanz der Medizintechnik, der Medizintechniker zu diesen IT-Themen, die dann erst einmal wiederum sehr skeptisch demgegenüber sind und zurückhaltend, aber aufgrund der ganzen ich nenne es jetzt auch mal Digitalisierung ist es ja schon so, dass die Sachen vernetzt werden müssen, damit sie oftmals auch funktionieren.

Und da muss man ja halt gucken gerade als IT, wie geht man damit um, dass man sich auch nicht in eine rechtliche „Grauzone“ bewegt, wo man dann in eine Situation hineinkommt, wo man dann wie es so schön heißt gerade im Bereich Medizinproduktebetreiber-Verordnung, dass man da nicht ein Verkehrbringer wird, weil dann ist man nämlich selber für die Gerätschaften verantwortlich. Das heißt auch, dass man eine regelmäßige Prüfung durchführen lassen muss und auch eine Abnahme zu dem System regelmäßig durchführen lassen muss in der Form als Beispiel, wenn man da Updates einspielt in dieses System, muss man dann wiederum das System abnehmen lassen, so Art zertifizieren lassen, damit das so wie es in der Form dann eingesetzt und betrieben wird auch betrieben werden kann. #00:14:31.9#

Petra Koch: Sie haben jetzt gerade die Vernetzung schon angesprochen, die nimmt ja auch in den Krankenhäusern weiter zu. Also wie Sie gesagt haben schon zwischen Medizintechnik und IT, aber auch weitere Themen sind ja sicherlich relevant, wenn man jetzt das ganze Thema Gesundheitsökosystem mal anschaut, Vernetzung zwischen Ärzten, Krankenkassen, Patienten. Die Sorgen ja auch für immer mehr Daten und Gesundheitsdaten sind ja sehr sensibel. Und es gibt auch viele Auflagen, Sie haben das neue Datenschutzgesetz ja schon angesprochen, die neue Datenschutzgrundverordnung. Wie gehen Sie damit um? Was heißt das für Ihre IT-Organisation? #00:15:03.1#

Jens Schulze: Also das ganze Thema Vernetzung wird zukünftig immer mehr zunehmen. Wir haben es jetzt schon, dass relativ viele Sachen im Krankenhaus oder Krankenhaus-IT auch vernetzt sind, oftmals auch unbewusst. Weil wir haben eigentlich schon das, was momentan so als Digitalisierung angerissen wird wie Kühlschrank-Überwachung und solche Sachen.

Das sind Themen, die gibt‘s bei uns schon seit mehreren Jahren im Gesamtunternehmen oder Thematik wie RFID-Tracking von irgendwelchen Sachen oder wie auch immer. Solche Themen haben wir schon seit längerer Zeit im Unternehmen, nur oftmals unbewusst und gerade jetzt in einem ganzen Kontext Digitalisierung kommen solche einzelnen Szenarien und Themen auch wieder hoch. Nur wir im Krankenhaus hatten sie halt schon, das war uns nur nicht so bewusst gewesen. Man hat sie irgendwie betrieben diese ganzen Sachen, auch was die Vernetzung anbelangt, was den Austausch von Informationen anbelangt, nur heutzutage versucht man auch immer mehr Wert an Informationen herauszuziehen aus der ganzen Vernetzung, auch aus der Datenübertragung. Da man ja auch versuchen will zukünftig mit den ganzen Daten zu arbeiten und da vernünftige Schlüsse daraus zu ziehen. Das sind Sachen mit denen wir auch zu tun haben.

Auf der anderen Seite die Vernetzung halt mit den ganzen intersektoralen anderen Partnern, die wir rings herum haben, wird ein Thema auch in der Zukunft werden, also Thema Vernetzung. Da kommen wir gar nicht mehr drum herum und das ist momentan noch so ein bisschen ja gerade im Gesundheitswesen in Deutschland so ein roter, roter Punkt irgendwo oder viele rote Punkte in der ganzen Karte, wo man noch einiges machen muss.

Wenn man sich so anguckt wie viel Medienbrüche wir da haben, weil sehr oft noch aus digitalen Systemen wieder auf Papier irgendwas rausgegeben wird oder auf CD gebrannt oder wie auch immer dem Patienten oder auf welche Art und Weise dem Partner dann mitgegeben, damit die Daten an die andere Stelle kommen. Da gibt es noch viel zu tun. Und wenn man sich das mal so betrachtet und dann wiederum das ganze Thema Datenschutz dann dagegen legt, ist es ist ja so, eigentlich haben wir auch im analogen Bereich schon Datenschutzprobleme in diesem Kontext, also im Rahmen der ganzen digitalen Technologien über Datenschutz und Datenschutzproblemen zu sprechen macht an dieser Stelle aus meiner Sicht ja oder das Thema erst an der Stelle aufzubringen macht aus meiner Sicht auch keinen Sinn, weil die Problematik die haben wir auch schon in der analogen Welt. #00:17:12.8#

Petra Koch: Na klar eine CD kann auch verloren gehen. #00:17:15.5#

Jens Schulze: Darum. Oder gerade im Gesundheitswesen wird immer noch sehr viel gefaxt. Das heißt ich weiß ja gar nicht, wenn ich was weg faxe, wer auf der anderen Seite sitzt und dieses Fax empfängt. Selbst wenn ich eine Empfangsbestätigung bekomme, weiß ich immer noch nicht, hat das jetzt der niedergelassene Arzt jetzt in die Hände bekommen oder nicht irgendein Patient von ihm, der gerade im Vorzimmer da irgendwo sitzt direkt neben dem Gerät. #00:17:33.7#

Petra Koch: Ja. Das ist wohl wahr. Das ist ja nicht signiert oder irgendwie mit einer Zertifizierung versehen sozusagen. #00:17:40.9#

Jens Schulze: Darum. #00:17:41.7#

Petra Koch: Wie sehen Sie das denn, quasi so ein Gesundheitsökosystem, dass es irgendwann vielleicht Plattformen gibt, worüber dieser Datenaustausch funktioniert und vielleicht auch auf der anderen Seite Systeme geschaffen werden, wo Sie eben zum Beispiel bestimmte Daten, die sie jetzt heute schon aus Medizintechnik Systemen und IT-systemen bekommen, dass sie die entsprechenden monitoren können und auch auswerten können, um dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen? #00:18:04.2#

Jens Schulze: Ich sage mal die Infrastruktur so, was die Applikation im Krankenhaus anbelangt, ist doch schon relativ groß. Was wir derzeit überwiegend in den Krankenhäusern halt haben, sind einzelne Datensilos.

Man sieht das schon aufgrund der Philosophie und Architektur der Krankenhaus-Informationssysteme, dass sie ein Datensilo an sich sind, dann geht das ja weiter, dass man irgendwelche Subsysteme hat, die wiederum als gewisses Datensilo fungieren, selbst wenn man Daten daraus übermittelt zum zentralen Informationssystem zu einem Archiv zum Bilddaten-Archiv, wie auch immer, bleibt es auf der anderen Seite trotzdem irgendwo ein Datensilo, was man da hat, wo man gucken muss wie kriegt man die Sachen zentral zusammen.

Und das ist jetzt allein nur der Punkt, die ich sage mal die interne Vernetzung innerhalb des Mikrokosmos Krankenhaus, und man schauen muss, dass man die Sachen auch in eine zentrale Struktur bringt, um da auch den Datenaustausch hinzubekommen. Da gibt‘s momentan so ein paar Herausforderungen in dem Bereich, dass man gerade, wenn man an die Medizintechnik denkt oder an andere technische Systeme, die irgendwo an die Infrastruktur angeschlossen werden müssen, dass da so gewisse Datenkommunikationsstandards halt fehlen. Sehr oft hat man, dass da noch mit gewissen proprietären Formaten gearbeitet wird und das macht es dann wiederum schwierig dann die Informationen aus dem System heraus dann zentral zu übermitteln zum Beispiel zur zentral elektronischen Patientenakte.

Aber selbst da gibt‘s schon Ansätze über, im Gesundheitswesen ist das beispielsweise das Thema ja eh, worüber dann auch Standards und Prozesse dann wiederum definiert werden, die man dann anwenden kann, wenn man die Systeme dann ja eh konform betreiben und einsetzen möchte. Worüber man schon eine gegensteuert, dass man dann wegkommt auch von proprietäre Dateiformate und Datenaustausch auch hin zu zentralen Plattformen, die man erst einmal innerhalb des Hauses hat. Und diese Plattform, wenn man da in diese Richtung geht mit dieser Standardisierung, dass zum einen auch die Daten standardisiert abgelegt werden, damit man auch den ich sag mal patientenbezogen wieder darauf zugreifen kann.

Das ist schon mal auch dann eine gewisse Grundvoraussetzung, die wiederum gegeben sein muss gerade für die Kommunikation mit den ganzen Externen außerhalb des ganzen Krankenhausbereiches, sei es zu niedergelassenen Ärzten, Krankenkassen und so weiter und auch zum Patienten. Und man kann ganz gut erkennen, dass es in dem Bereich in Deutschland gerade Projekte gibt auch seitens der Krankenkasse, die versuchen eine zentrale Plattform für ihre Krankenkasse aufzubauen, um dann auch standardisiert diese Daten so mit Krankenhäusern austauschen zu können. Und momentan hat man es ja auch, dass der Patient im Gesundheitswesen oder im deutschen Krankenhauswesen ein ganz wichtiger Treiber der ich sage mal Innovation auch irgendwo wird und ist, weil viele Anforderungen kommen auch von außen vom Patienten auf die Krankenhäuser in einzelnen Einrichtungen zu. #00:20:39.4#

Petra Koch: Können Sie da mal so ein Beispiel nennen was da der Patient quasi einbringt? #00:20:42.9#

Jens Schulze: Also der Patient oftmals auch, ich habe es mehrmals erlebt, ist dass er zum einen, wenn er ins Krankenhaus kommt, manchmal sucht er sich die Krankenhäuser im Vorfeld schon aus, was die Ausstattung anbelangt. Also er möchte gerne unbedingt ein WLAN haben, weil er dann gegebenenfalls an Patienten weltweit arbeiten möchte. Das heißt, diese Struktur sollte man zukünftig mit berücksichtigen und den Patienten auch zu bieten, wie irgendwo steht man ja auch mit anderen Krankenhäusern in Konkurrenz und jeder Patient, der zu uns kommt, ist halt wiederum eine Einnahmequelle für das Unternehmen. #00:21:10.1#

Petra Koch: Mhm (bejahend). Na klar. #00:21:10.6#

Jens Schulze: Das heißt, man muss auch das ganze Thema Patientenbindung so ein bisschen mitberücksichtigen. Zum anderen ist so, dass gewisse Patienten auch heutzutage schon mit der Anforderung kommen, dass ihre Daten, die jetzt beispielsweise im Krankenhaus erhoben werden, auf elektronischem Wege zum entsprechenden Arzt übermittelt werden. Also diese Anforderung gab es auch schon des Öfteren. Und diese Wünsche und da muss man auch gucken, wie sieht die Gegenseite eigentlich aus? Wenn man sich mal so im Gesundheitswesen dann so die Arztpraxen anguckt deren Ausstattung und gerade was auch Vernetzung anbelangt, dass es scheinbar noch Arztpraxen gibt im Jahre 2017, die immer noch keinen Internetanschluss haben. #00:21:42.6#

Petra Koch: (lacht) Echt? Okay. #00:21:44.0#

Jens Schulze: Das ist dann schon eine ganz große, ganz große Herausforderung in dem Bereich und auf der anderen Seite merkt man auch, dass es gewisse Beteiligte da in dem Gesundheitssystem gibt, die auch kein Bestreben haben da irgendwo mal ein paar Euro jeden Monat lockerzumachen dafür, um sich dann zu vernetzen und darüber standardisiert die Daten auszutauschen. Weil jede kleine Investition ist da halt schon zu viel.

Und das bewegt dann auch wiederum die Krankenhäuser, gerade, wenn man bestrebt ist da irgendwie so eine Vernetzung anzustreben mit niedergelassenen Ärzten dann so als Betreiber aufzutreten. Das heißt, dass man dann versucht als Dienstleister dann den Leuten und den Arztpraxen dann halt eine gewisse Grundstruktur ins Haus zu stellen, die man als Krankenhaus betreibt, weil man darüber dann auch den Datenaustausch hinbekommt. #00:22:26.3#

Petra Koch: Ja. Ja klar und das ist ja auch ein Geschwindigkeitsvorteil, den man dann hat. Also die Daten sind ja dann deutlich schneller in der einzelnen Praxis als wenn das (Jens Schulze: Genau) das jetzt alles mit der Post geschickt wird oder so oder gefaxt wird. #00:22:37.2#

Jens Schulze: Richtig. Darum und im Hintergrund hat man auch dann das ganze Thema Patientensicherheit dann so ein bisschen auch mit abgefangene, allein nur, wenn man an das Thema Medikation denkt, die man auch auf diesem elektronischen Wege austauschen kann. Sei es, was hat der Patient denn jetzt bis dato für Medikation genommen? Was habe ich als Arzt verschrieben? Aber auch was hat das Krankenhaus verschrieben? Wie gehe ich damit als ich sag mal einweisender Arzt um, wenn der Patient aus dem Krankenhaus wieder zu mir kommt, was kann ich ihm dann an Medikation verschreiben? Die beispielsweise ich nicht verabreichen oder nicht empfehlen kann, weil es gewisse Krankenhausmedikation Im Vorfeld war. #00:23:06.4#

Petra Koch: Und dann ist ja auch die Apotheke vielleicht noch mit ihm spielen. Dass man dann direkt auch die Daten an die Apotheke senden kann? #00:23:13.3#

Jens Schulze: Genau. Richtig. Apotheken spielen da auch eine ganz große Rolle. Das merkt man auch bei uns. Wir haben bei uns im Unternehmen auch eine hauseigene Apotheke und da gibt es auch von den niedergelassenen Ärzten hier bei uns so eine Art Gesundheits-Netzwerk, die wiederum auch ein Bestreben haben gerade was das ganze Thema Medikation anbelangt, den Datenaustausch bezüglich Medikation, da sind die schon sehr hinterher und da sieht man auch das ein Thema der Zukunft wird, gerade auch unter dem Stichwort Patientensicherheit. #00:23:37.0#

Petra Koch: Na klar. Jetzt haben Sie ja im Krankenhaus noch eine ganz andere Besonderheit. Es geht um Menschenleben. Sie sind 24 mal 7 verfügbar. Die Leute sind immer im Krankenhaus 365 Tage im Jahr. Das heißt, Sie haben ja eigentlich keinen Stillstand. Wie gehen Sie als IT damit um? #00:23:54.1#

Jens Schulze: Ja. Also wir als IT sagen wir mal so die Verfügbarkeit muss schon 24 mal 7 auf jeden Fall sein, weil umso mehr man in der digitalen Welt abbildet, umso höher wird natürlich auch die Verfügbarkeit sein müssen, weil man muss ja immer dran denken im Digitalen ist es dann ja so, dass die Patientendaten zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sein, um den Patienten auch adäquat behandeln zu können.

Und in Zeiten ja ich sage mal der papierbasierten Patientenakte da ist das ja nicht ganz so. Da ist die Akte zwar da, da gibt‘s andere Probleme in der Form, dass mehrere Leute sich die Information nicht anschauen können, dass man dann nicht interdisziplinär damit arbeiten kann mit den Informationen. Das sind da die Herausforderungen. Nur oftmals ist es so, dass genau da die Informationen sind, wo sie gerade benötigt werden und das heißt am Patienten in der papierbasierten Welt.

Und in der digitalen Welt ist es dann so: Ich habe die Daten, Informationen zentral. So sollte es zumindest sein. Gegebenenfalls auch noch dezentral verteilt. Wenn dann aber IT-Infrastrukturen ausfallen, gerade so Netzwerk, das Netzwerk ist eigentlich zukünftig das Fundament der doppelte Boden einer jeglichen Krankenhaus IT-Infrastruktur. Und da ist es schon sehr wichtig also diese Grundstruktur muss auf jeden Fall stehen und verfügbar sein, heißt auch für die IT zukünftig, dass man da, wenn man sich neu ausrichtet oder guckt, was sind zukünftig meine Schwerpunkte, dass man sich darüber auch Gedanken macht:

  • Was sind Themen, die ich unbedingt aufgrund dieser Hochverfügbarkeit im Hause lassen muss?
  • Wo muss ich mein Know-how weiter auf- und ausbauen?
  • Und was sind Themen, die kann ich abgeben?

Also aus meiner Sicht so das klassische Server-Geschäft, diese ganze Server-Administration sind so Themen, die machen Dienstleister 08/15 für 200, 300 andere Kunden im Hintergrund zu ganz annehmbaren Preisen, was man selber so als Krankenhaus-IT zukünftig gar nicht mehr so hinbekommt. Weil man auch die Skalierbarkeit auf der anderen Art und Weise nicht so hat, weil dann wiederum gewisse Ressourcen, die benötigt werden, gar nicht zur Verfügung stehen. Sei es finanzielle Ressourcen, aber auch so fachliche Ressourcen in Form von Wissen zur Administration für diese Systeme. #00:25:48.4#

Petra Koch: Mhm (bejahend). Das heißt, Sie stellen sich strategisch die Frage: Was muss ich im Hause halten? Was ist für mich erst mal wie Sie gesagt haben essenziell wichtig, um die Verfügbarkeit zu gewährleisten und was ist auch wichtig, damit ich mich vielleicht intern entsprechend differenziert aufstellen kann oder? #00:26:03.0#

Jens Schulze: Genau. Also da ist schon ganz klar zu erkennen wie ich gerade schon gesagt habe, Thema Netzwerk ist ein riesengroßes Thema, da muss man gucken, dass man irgendwo auch das Know-how mit im Hause hat, aber im Hintergrund auch Dienstleister hat mit weiterem fachlichen Know-how, die da auch 24 mal 7 unterstützen können. Und das Ganze geht dann weiter, so ein Endgerät ist für mich in der Zukunft so ein Mittel zum Zweck, zum Anzeigen, Aufrufen und Eingeben von Informationen.

Da ist zu erkennen, dass das auch so ein Thema wird, was weiterhin im Bereich Krankenhaus-IT sein muss, weil es ein anwendernahes Thema ist, weil der andere mit dann mit den Gerätschaften arbeitet. Aber ich denke mal das wird dann in Zukunft auch so ein Thema sein, wo man nicht mehr den Fokus auf verschiedenste Betriebssysteme hat und verschiedene Hardware-Endgeräte-Typen, sondern das wird sich so ein bisschen lockern. Aber da muss man auch gucken wie man da am besten mit umgeht, gerade was die Administration anbelangt. Und ein ganz wichtiges Thema sind natürlich auch so gewisse Software-Applikationen und gerade auf Prozessebene, dass man da als Krankenhaus-IT dann an die Themen rangeht. Und im Hinterkopf muss man dann immer wiederum ja auch die ganzen Verträge und alles was man da hat und die Dienstleister, muss man gucken, passt das alles noch, passt das auch aufgrund der Anforderungen die ich habe, gerade für einen 24 mal 7 Betrieb. #00:27:08.6#

Petra Koch: Mhm (bejahend). Na klar. #00:27:09.4#

Jens Schulze: Man erlebt es immer wieder, dass gerade so allgemeinere Dienstleister, die jetzt nicht so fokussiert sind auf Gesundheitswesen gar nicht so im Hinterkopf haben, dass wir wirklich so einen kritischen Betrieb da irgendwo haben, der über 16, 17, 18 Uhr hinausgeht. #00:27:23.0#

Petra Koch: Ja. Das wäre dann schlecht, wenn man dann niemanden mehr erreicht. #00:27:26.4#

Jens Schulze: Genau. Da merkt man aber auch, dass oftmals dann so gewisse Dienstleister zwar versuchen da einen Fuß in die Tür zu kriegen, als Dienstleister für Krankenhäuser dann aktiv zu werden, aber wenn es dann wirklich ans Eingemachte geht, dass man mal jemand braucht nach 18 Uhr, dann wird’s schon schwierig. Und das kann man sich so in der Zukunft auch gar nicht mehr so erlauben.

Da muss man halt schon gucken, dass diese Strukturen auch passen, dass die Verträge auch passen und das heißt natürlich auch für die Krankenhaus-IT, dass man da als ich sage mal Dirigent der IT-Infrastruktur dann halt auch agieren muss und man muss gucken, dass man alles in Einklang bringt. Das heißt, auf der einen Seite die Systemverfügbarkeit und Weiterentwicklung prozessnah am Anwender, aber auf der anderen Seite auch guckt, dass das im Hintergrund alles passt, was mit den Dienstleistern da so abläuft. Mit der Bereitstellung, Verfügbarkeit und auch mit der Skalierbarkeit der Systeme entsprechend die Anforderungen. #00:28:11.6#

Petra Koch: Das heißt, Sie haben so den Spagat zwischen den regulatorischen Anforderungen auf der einen Seite und der Flexibilität, die sie sich erhalten wollen und der Sicherheit, die Sie als Betrieb zur Verfügung stellen müssen oder? Das ist ja dann, sodass diese 3 Komponenten zwischen denen Sie dirigieren müssen und dann noch der Mittler zu den Dienstleistern mit dem (Jens Schulze: Richtig) Lizenzmanagement, Vertragsmanagement und so weiter. #00:28:34.1#

Jens Schulze: Genau. Das hat man ja auch alles, was man dann noch im Auge behalten muss. Und daran ist auch zu erkennen, dass die Krankenhaus-IT zukünftig oder beziehungsweise die IT-Organisation im Bereich Krankenhaus, dass man da schon gucken muss, dass man noch gewisses Know-how auf- und ausbaut. Das wird nicht so sein, dass man sagt: Gut zum Thema Server, wir haben keine Server mehr im Haus, also brauchen wir auch kein Wissen dazu. #00:28:55.9#

Petra Koch: Das könnte gefährlich werden. Ja. #00:28:58.5#

Jens Schulze: Und ich muss ja auch irgendwo gucken, muss sehen ob die Dienstleistung, die mein Dienstleister da bringt, ob das auch alles so adäquat ist mit dem, was da vereinbart ist oder ob es da irgendwo Defizite gibt. Und wenn ja, wo sind die? Damit man ins Gespräch kommen kann oder kommt, um dann da wieder nachzusteuern. #00:29:11.1#

Petra Koch: Super essenzieller Punkt finde ich, weil das sehe ich ganz häufig, dass man auf Augenhöhe immer noch mit seinem Dienstleister sprechen muss. Man muss ja nicht im Detail wissen, wie man es einstellt, aber man muss es beurteilen können. Das finde ich extrem wichtig und sehe das leider manchmal in Organisationen, dass das anders ist. #00:29:27.8#

Jens Schulze: Genau. Und daran ist ja auch zu erkennen, dass man sich immer mehr wegbewegt dann in dem Bereich von den eigentlichen technischen Sachen. So dieses klassische IT im Keller irgendwo, die da agiert, daran sieht man, das wird zukünftig so nicht mehr funktionieren. Erst recht, wenn man als IT-Organisation in einem Unternehmen irgendwo aktiv ist, dann muss man schon gucken, dass man rauskommt direkt als IT in die Geschäftsprozesse hinein. Ich sage mal ja an die Front ran, um zu gucken: Was läuft da gerade so ab? Um auch als IT ein Gesicht zu haben nach außen. #00:29:54.4#

Petra Koch: Ja. Das ist ein schönes Bild. Ja. #00:29:57.6#

Jens Schulze: Weil das ist ja auch sehr oft so, dass zwar die IT-Organisation im Unternehmen existent ist, aber nach außen überhaupt kein Gesicht hat. Man weiß, man kennt zwar vielleicht einen Namen von der Hotline oder irgendwo aus einer E-Mail, aus dem Austausch, aber man weiß gar nicht, wer dahintersteckt und wie die Struktur eigentlich so aussieht und was man sich darunter vorstellen kann. #00:30:14.8#

Petra Koch: Ja. Im schlimmsten Fall ist es nur die Helpdesk-Hotline, die man dann anruft. #00:30:19.2# Dann würde ich sagen, wenn Sie ihren CIO-Kollegen einen einzigen Tipp geben könnten, welcher wäre das? #00:30:26.2#

Jens Schulze: Also wie hat es mein ehemaliger Kollege so schön ausgedrückt:

„Immer mit einem Ohr auf der Schiene zu sein, das heißt immer mitzukriegen was draußen gerade los ist, sei es mit Draußen gemeint, was draußen am Markt los ist, aber auch draußen im eigenen Unternehmen.“

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ein weiterer Tipp wäre Mut zu haben neue Sachen einfach mal anzugehen, auszuprobieren, auch was organisatorisch jetzt die IT-Organisation anbelangt mal versuchen die Sachen auf neue Füße zu stellen.

Und ein weiterer wichtiger Tipp: Halt immer dem Menschen, sei es als Mitarbeiter oder wenn man jetzt vom Kunden spricht, die Leute auch immer geradeso bevor man dann an technische oder organisatorische Themen rangeht, dass man die erst mal so im Vordergrund stellt und sich darüber Gedanken macht, wie ist es um die einzelnen Menschen bestellt? Gerade wenn man dann wiederum auch an das Change-Management denkt, ist es ein ganz wichtiger Punkt, weil ohne den Faktor Mensch läuft eigentlich nichts heutzutage. Und den Menschen in den Vordergrund zu rücken ist oftmals schon gerade bei vielen Aktivitäten ansetzen. Ich glaube der beste Gedanke, den man finden kann, um dann gewisse Themen egal ob sie jetzt innovativ sind oder operativ strategisch wie auch immer, um diese Sache nicht als Rohrkrepierer dann darzustellen. #00:31:31.7#

Petra Koch: Ja. #00:31:32.6#

Jens Schulze: Weil, wenn sich der Faktor Mensch irgendwo mal querstellt, dann kann man noch so viel versuchen mit technischen Sachen da irgendwo in die Wege leiten zu wollen organisatorisch, irgendwo wird man nicht vorankommen und dann scheitern viele Sachen. #00:31:43.5#

Petra Koch: Schönes Schlusswort, danke Herr Schulze fürs Interview. Hat Spaß gemacht. Super viele Einblicke, vor allen Dingen auch zu den Spezifika der Krankenhaus-IT. Ich denke mal das wird auch für viele CIOs in anderen Branchen interessant sein und ein paar Ansatzpunkte geben. Vielen Dank. #00:31:59.4#

Jens Schulze: Ich bedanke mich auch. #00:32:00.4#

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